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Ein System wie kein anderes

VGKK: Nähe zu den Menschen wichtig – nicht zerstören was gut funktioniert

Mitarbeiterin der Ausgabestelle bei der Paketvorbereitung

Karl Lebic ist Pensionist, ein lebhafter, älterer Herr, der einen sehr zufriedenen Eindruck macht. Seit zweieinhalb Jahren lebt er in Au im Bregenzerwald. Gemeinsam mit seiner Frau – unterstützt durch den Krankenpflegeverein – betreut der Typ I-Diabetiker seine 94jährige, an Demenz leidende, bettlägerige Mutter. Keine leichte Aufgabe. „Unbezahlbar“, so sagt er, „ist aber auf jeden Fall die unbürokratische und schnelle Hilfe der Vorarlberger Gebietskrankenkasse. Von dort erhalten wir alles was wir für die Pflege brauchen, Windeln, bestes Verbandsmaterial etc., bei Bedarf ganz unkompliziert und sofort angeliefert. Nicht ein einziges Mal mussten wir zwei Mal nachfragen oder nachtelefonieren.“ Das erleichtere die Pflege enorm.


Deutlich eingeprägt hat sich Karl Lebic eine Situation im Jänner dieses Jahres. Seine Mutter weigerte sich zu essen und nur durch die Notfallnahrung, die von der VGKK ohne Umwege sofort zur Verfügung gestellt wurde, war es möglich, die betagte, bettlägerige Frau zu Hause wieder aufzupäppeln, wie es Karl Lebic nennt. „Ich war selbst 40 Jahre in Deutschland in einem Heim beschäftigt und kann sagen, dass das dort nicht so reibungslos abläuft. Vieles was hier in Vorarlberg an Hilfs- und Heilmitteln ganz selbstverständlich jedem zur Verfügung steht, gibt es dort nur für Privatpatienten“, stellt er fest. Als Beispiele nennt der Pensionist die Alginat-Wundversorgung (bei nässenden oder infizierten Wunden) oder auch das Insulin, das er selbst benötigt. „Hier bekomme ich modernstes Insulin, also chemisch hergestelltes Insulin, das viel schneller wirkt. In Deutschland für jemanden, der nicht Privatpatient ist, unmöglich“, ist er „nicht nur happy, sondern wirklich dankbar“ für die Lebensqualität, die ihm damit ermöglicht wird.


Nahe bei den Versicherten

Der laufenden Diskussion rund um die Reform der Krankenversicherung kann Karl Lebic aufgrund seiner eigenen Erfahrungen nicht viel abgewinnen. „Das Geld wird im Land gut eingesetzt, es gibt keine Misswirtschaft und sogar Rücklagen für härtere Zeiten werden geschaffen“, begründet er seine Ansicht. „Wir sollten vorsichtig sein, dass nicht zerstört wird, was gut funktioniert.“


Karl Lebic beschreibt die VGKK als System, das nahe bei den Menschen ist. Er befürchtet bei einer Zentralisierung nicht nur den Verlust dieser Nähe, sondern auch das Abziehen von Geldmitteln, die die Versicherten in Vorarlberg selbst dringend brauchen.


Der Pensionist greift nach seiner Jacke und steht auf. „Ich muss jetzt noch in die Stadt zum Einkaufen und dann rasch wieder nach Hause. Wissen Sie, meine Tochter ist heute da, sie hat mich gefahren.“ Mit einem kräftigen Händedruck verabschiedet er sich, nicht ohne noch einmal zu betonen: „Wenn alles zentral verwaltet und eingehoben wird, haben wir vielleicht nichts mehr davon. Wir müssen aufpassen.“


6. April 2018 / 11