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Gesund aufwachsen in Vorarlberg

Förderung der Gesundheitskompetenz von Kindern zwischen drei und zehn Jahren

Gesund aufwachsen in Vorarlberg

Die Menschen leben immer länger. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass aber die gesunden Lebensjahre nicht mehr werden. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, beauftragte der Landesgesundheitsförderungsfonds (Land Vorarlberg und VGKK) die SUPRO (Werkstatt für Suchtprophylaxe) mit der Ausarbeitung und Durchführung des Projekts "Gesund Aufwachsen in Vorarlberg". Aufbauend auf den Erfahrungen während der Pilotphase (Juli 2016 bis Juni 2019) wird das Projekt ab Juli dieses Jahres auf ganz Vorarlberg ausgerollt.


Der nachhaltigste Schlüssel für mehr gesunde Lebensjahre liegt schon in der frühen Kindheit, stellt Landesrat Christian Bernhard fest: "Für Kinder ist es noch leicht, ein gesundes Verhalten, einen gesunden Lebensstil zu erlernen, wenn die Rahmenbedingungen passen. Dementsprechend gilt es, den Kindern passende Erfahrungsräume zur Verfügung zu stellen, wo sie die Möglichkeiten haben, sich auszuprobieren, Neues zu erleben und sich eigenständig – auch pädagogisch begleitet – zu entwickeln."


Von Beginn des Lebens an nimmt die Familie wesentlichen Einfluss auf das spätere Gesundheitsverhalten. Daher ist es unverzichtbar, die Eltern als wichtige Bezugspersonen und Vorbilder in den Prozess bzw. Aktivitäten und Maßnahmen einzubinden. Einen prägenden Einfluss auf das nachhaltige Gesundheitsverhalten haben später auch Kinderbetreuungseinrichtungen, die Schule und Vereine.


Durch die Umsetzung von "Gesund Aufwachsen in Vorarlberg" in Kindergärten und Volksschulen wird das Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitsverhalten von Kindern im Alter zwischen drei und zehn Jahren sowie der Pädagoginnen/Pädagogen und Eltern nachhaltig unterstützt und gestärkt. "Die Förderung der Lebenskompetenzen und Resilienzfaktoren soll das Risiko für das spätere Auftreten von psychischen Störungen, Gewalt und Sucht minimieren", so Landesrat Bernhard. Alle Beteiligten erhalten dadurch ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit.


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Weg von der "Projektionitis" hin zu einer klaren Strategie

In Vorarlbergs Kindergärten und Volksschulen gibt es bereits eine Vielzahl von Projekten und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Allerdings sind diese weitgehend isoliert und wenig aufeinander abgestimmt. Für die Pädagoginnen/Pädagogen ist keine Struktur erkennbar und es gibt keinen roten Faden, erläutert VGKK-Obmann Manfred Brunner die Ausgangslage: "Mit dem Projekt schaffen wir einheitliche Standards und beenden die 'Projektionitis' in dem Bereich."


Folgende Bedingungen wurden für die Ausarbeitung des Projekts definiert:

  • die Förderung der Lebenskompetenzen (entsprechend der Vorgabe der Weltgesundheitsorganisation WHO) bilden den zentralen Schlüssel
  • zusätzliche Schwerpunkte sind auf den Bereich der Bewegung, der Ernährung und der psychosozialen Gesundheit zu legen
  • bei der Entwicklung der Fortbildungsmaßnahmen und der Materialien ist darauf zu achten, dass alle Inhalte, Aktivitäten und Maßnahmen aufeinander abgestimmt sind und sich zu einem großen Ganzen ergänzen


Mit einer klaren Strategie, Struktur und einem roten Faden kann das Projekt in den Kindergärten und Schulen des Landes einen gemeinsamen, wissenschaftlich fundierten und praktisch erprobten Standard setzen. Mit diesen einheitlichen Standards sollen alle Kinder zwischen drei und zehn Jahren dieselben Rahmenbedingungen im Hinblick auf die Förderung ihrer Gesundheit erhalten.


Der Landesgesundheitsförderungsfonds, der zu 80 Prozent von der VGKK und zu 20 Prozent vom Land Vorarlberg gespeist wird, hat rund 800.000 Euro für die Pilotphase aufgewendet. "Wir sind überzeugt, dass das gut investiertes Geld in eine gesunde Zukunft ist", betont Brunner.


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Gesundheitsförderung erfordert Beziehungsarbeit

Gemeinsam mit verschiedenen Fachleuten haben rund 150 Pädagoginnen/Pädagogen aus dem Kindergarten und der Volksschule ein umfassendes, klar strukturiertes und aufeinander abgestimmtes, aufbauendes Gesamtkonzept entwickelt. Dieses wurde in der Praxis, im normalen Arbeitsalltag in Kindergarten und Volksschule erprobt, evaluiert und laufend weiterentwickelt, erläutert Landesrätin Barbara Schöbi-Fink. "Als für diesen Bereich zuständiges Regierungsmitglied war es mir sehr wichtig, dass die Pädagoginnen und Pädagogen in Kindergarten und Volksschule in die Entwicklung des Projekts von Beginn an einbezogen wurden und ihre Erfahrungen aus der Praxis einbringen konnten", erklärt sie.


Im Unterschied zu vielen anderen Projekten im Bereich der Gesundheitsförderung kommen keine Expertinnen/Experten in den Kindergarten und an die Schule, um mit den Kindern zu arbeiten. Die in der Pilotphase entwickelten und jetzt vorliegenden Fortbildungen für Pädagoginnen/Pädagogen stellen sicher, dass

  • die handelnden Personen in ihrer eigenen Kompetenz gestärkt werden
  • im eigenen Lebens- und Arbeitsumfeld pädagogische Maßnahmen und Aktivitäten der Gesundheitsförderung und Prävention durchgeführt werden
  • sich damit ein gesundheitsförderndes Umfeld ausbildet.


Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf "Capacity Building" (Aufbau und Verbesserung von Strukturen) und "Empowerment" (Kompetenzen entwickeln, selbst Sorge für die eigene Gesundheit zu tragen).


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Ergebnisse der Entwicklungs- und Pilotphase

Im deutschsprachigen Raum gibt es kein mit "Gesund aufwachsen in Vorarlberg" vergleichbares Projekt für Kindergarten und Volksschule. Deshalb wurde in der Pilotphase von der SUPRO gemeinsam mit Expertinnen/Experten und engagierten Pädagoginnen/Pädagogen ein umfassendes, klar strukturiertes und aufeinander abgestimmtes Gesamtkonzept für den Altersbereich drei bis zehn Jahre entwickelt. Dieses Konzept wurde dann von ausgewählten Pädagoginnen/Pädagogen, Kindergarten- und Volksschulteams im Arbeitsalltag erprobt, evaluiert und laufend adaptiert. Aufbauend auf diesen Erfahrungen steht damit ein Fortbildungskonzept, Schulungs- Unterrichts- und Umsetzungsmaterialien für Kindergarten und Volksschule zur Ausrollung in Vorarlberg zu Verfügung. 


Kindergarten

Vier Fortbildungsmodule (Einstiegsmodul eintägig, Module 2 bis 4 jeweils halbtägig) zu den Lebenskompetenzen inkl. der Schwerpunkte Bewegung, Ernährung und psychische Gesundheit.


Volksschule

Neben einer dreitägigen Fortbildung zum Lebenskompetenzprogramm "Gemeinsam stark werden" stehen ab Juni 2019 zusätzlich jeweils halbtägige Zusatzfortbildungen zu den Themen Bewegung, Ernährung (in Zusammenarbeit mit aks – gesundheit GmbH), Gewaltprävention, Neue Medien, Kinder in belastenden Situationen und Sexualpädagogik (in Zusammenarbeit mit love.li) zur Ausrollung bereit.


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Ausrollung von "Gesund Aufwachsen in Vorarlberg"

Ab Sommer 2019 wird in Vorarlberg mit der Ausrollung des Projekts in Kindergärten und Volksschulen begonnen. Damit sich interessierte Pädagoginnen/Pädagogen aus Kindergärten und Volksschulen einen Eindruck vom Projekt, den Fortbildungsmöglichkeiten und den Materialien machen können, findet am Mittwoch, 16. Oktober 2019 eine Tagung dazu statt.


22. März 2019