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Pressekonferenz - Darmkrebsvorsorge

„12 Jahre Vorsorgedarmspiegelung in Vorarlberg Erfolgsdaten des Vorarlberger Darmkrebsvorsorgeprogramms“ mit Manfred Brunner, Obmann der Vorarlberger Gebietskrankenkasse und Dr. Michael Jonas, Präsident der Ärztekammer für Vorarlberg.

Pressekonferenz mit Dr. Jonas und Manfred Brunner

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Erfolgreiche Vorarlberger Darmkrebsvorsorge

Darmkrebs gehört zu den häufigsten und gefährlichsten Erkrankungen in den Industrienationen. In Österreich erkranken daran pro Jahr zwischen 4.517 (2016) und 5.175 (2003) Personen. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei Frauen und die dritthäufigste bei Männern (Quelle Statistik Austria). Vor Einführung dieser Darmkrebsvorsorgeuntersuchung ist ca. die Hälfte der Neuerkrankten an den Folgen gestorben.


Bei dieser Vorsorgeuntersuchung wird der gesamte Dickdarm mit einer kleinfingerdicken biegsamen Sonde, an deren vorderen Ende sich eine Kamera befindet, bildlich dargestellt und allfällige Polypen, die sich in Krebs verwandeln können, entfernt.


Der medizinische Nutzen einer qualitätsgesicherten Darmspiegelung zur Senkung der Darmkrebssterblichkeit ist schon lange bekannt. Potenziell ist durch eine Darmspiegelung alle 10 Jahre die Darmkrebssterblichkeit um 70 % reduzierbar. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, ist es jedoch erforderlich, durch unterschiedliche Maßnahmen nicht nur die gesundheitsbewusste Bevölkerung, sondern auch „Vorsorge-Verweigerer“ für die Gesundheitsvorsorge zu interessieren.


Daher wurde in Vorarlberg zwischen Ärztekammer, Vorarlberger Gebietskrankenkasse und dem Land Vorarlberg 2007 ein Darmkrebsvorsorgeprogramm mit internationalen Qualitätsparametern vertraglich vereinbart.


Das Land Vorarlberg ermöglicht und unterstützt dieses qualitätsgesicherte Darmkrebsvorsorgeprogramm durch einen Qualitätssicherungsbeitrag.


Die Statistik des Vorarlberger Darmkrebsvorsorgeprogramms zeigt sehr deutlich wie Dickdarmkrebs durch rechtzeitige Vorsorge in vielen Fällen verhindert bzw. frühzeitig erfolgreich behandelt werden kann.
Seit Beginn des Programms im Februar 2007 haben in Vorarlberg bis März 2019 41.765 Personen das Angebot der Vorsorge-Koloskopie in Anspruch genommen.


Berechnet auf die Zielgruppe der über 50-jährigen (122.184 Personen in Vorarlberg) sind das 34,2%.
Durch diese Vorsorgemaßnahme konnte in vielen Fällen die Darmkrebserkrankung verhindert bzw. im Frühstadium behandelt werden. Somit konnte den betroffenen Menschen ein langer Leidensweg erspart werden, bei gleichzeitiger Einsparung von hohen Behandlungskosten, die angefallen wären, wenn die Krebserkrankung zu spät diagnostiziert wird.


Die im Österreichvergleich hohe Inanspruchnahme dieses Angebots zeigt das große Interesse der Vorarlberger Bevölkerung an Vorsorgeuntersuchungen im Allgemeinen und an der Darmkrebsvorsorge im Speziellen.


Im Vergleich dazu wurden in ganz Österreich in diesem Zeitraum neun Prozent und bei Berücksichtigung der nicht evaluierten Vorsorgekoloskopien maximal 18 % der Zielbevölkerung erreicht.

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Rückgang der Sterblichkeitsrate

Vor Einführung des Vorsorgeprogramms im Jahre 2007 erkrankten in Vorarlberg jährlich durchschnittlich 124 Personen an Darmkrebs. Durch die Vorsorgekoloskopie und die frühzeitige Erfassung von Krebsvorstufen ist es mit 190 Neuerkrankungen im Jahresdurchschnitt (2012-2014) zu einem wesentlichen Anstieg der diagnostizierten Darmkrebsfälle gekommen, seither ist die Neuerkrankungsrate wieder rückläufig mit 183 Neuerkrankungen im Jahr 2016. Die Darmkrebs-Sterblichkeit ist in dieser Zeit in Vorarlberg von 50% auf 40 % zurückgegangen (absolut 74 Todesfälle im Jahresdurchschnitt 2014-2016 bei 183 Neuerkrankungen 2016), während die Sterblichkeit in Österreich immer noch 47% (2.123 Todesfälle bei 4.517 Neuerkrankungen im Jahr 2016, Statistik Austria vom 19.12.2018) beträgt.


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Große Einsparungen

Die investierten Kosten rechnen sich um ein Vielfaches. Jeder Darmkrebsfall mit Metastasierung verursacht Kosten in Höhe von ca. € 235.693. Bei einem Drittel dieser Patienten kommen zusätzliche Kosten für Operationen zwischen € 28.616 und € 33.260 dazu. Unter Berücksichtigung sämtlicher volkswirtschaftlicher Faktoren bedeutet dies für Vorarlberg entsprechend ökonomisch-wissenschaftlicher Berechnungen innerhalb eines Zeitraumes von zehn Jahren eine Kostenersparnis von € 75,5 Mio.


Auf Basis der Daten des Vorarlberger Darmkrebsvorsorgeprogramms hat die Österreichische Ärztekammer zwei gesundheitsökonomische Studien in Auftrag gegeben. Die erste Studie evaluierte den möglichen medizinischen Einsparungseffekt bei Übertragung des Vorarlberger Darmkrebsvorsorgeprogramms auf ganz Österreich, die zweite Studie die volkswirtschaftlichen Einsparungen. Während die medizinische Kosteneinsparung relativ exakt berechenbar ist, muss der volkswirtschaftliche Effekt aufgrund der sozioökonomischen Unterschiede in Bandbreiten kalkuliert werden. Nach zehn Jahren beträgt der volkswirtschaftliche Nutzen für die Gesamtbevölkerung in Österreich zwischen 3 und 4,5 Milliarden Euro.


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Ergebnisse der Datenauswertung 2/2007-3/2019

Seit die VGKK und das Land Vorarlberg gemeinsam mit der Ärztekammer für Vorarlberg das Angebot der Darmspiegelung im Februar 2007 gestartet haben, wurde diese Untersuchung von 41.765 Versicherten in Anspruch genommen:

Befundung (2/2007- 3/2019)Anzahl
20071.584
20083.520
20093.861
20104.153
20113.697
20123.502
20133.565
20143.192
20153.427
20163.192
20173.502
20183.596
1-3/2019974


Gesamtzahl: 41.765


Das Vorsorgebewusstsein der Frauen ist auch bei der Vorsorgedarmspiegelung größer:
45,5 % Männer - 22.762
54,5 % Frauen - 19.003


Altersverteilung
80,9 % der Untersuchten ist zwischen 50 und 70 Jahre alt. Die Zahlen im Detail:
50 bis 59 Jahre - 20.590
60 bis 69 Jahre - 13.198
70 bis 79 Jahre - 7.016
über 80 Jahre - 961


Das Untersuchungsziel ist die Entfernung von Krebsvorstufen und bei Vorliegen einer Krebserkrankung die Diagnose möglichst früh zu stellen. Dieses Ziel wurde erfreulicherweise über die gesetzten Erwartungen erreicht:

Seit Februar 2007 wurde bei 555 (1,3%) Personen Darmkrebs im Vorstadium erkannt und durch eine Abtragung der Polypen geheilt. Bei 158 Menschen wurde Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt, die durch die Polypabtragung während der Vorsorgedarmspiegelung oder durch eine Operation geheilt werden konnten.


47 Patienten hatten ein etwas weiter fortgeschritteneres Krebsstadium, bei welchem zusätzlich eine Chemotherapie erforderlich war, wodurch die Heilungschancen sehr hoch sind. In 16 Fällen war die Erkrankung bei der Diagnosestellung bereits fortgeschritten mit Metastasen in anderen Organen, sodass eine sehr belastende, aufwändige und teure Behandlung notwendig wurde.


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Befunde des Vorarlberger Vorsorge-Koloskopie-Programm 2/2007-12/2018

Vorsorge-Koloskopie-Befunde 2/2007-12/2018

Gesamtzahl41.765 100 %
Normalbefund22.841 54,7 %
gutartige Polypen18.148
 43,5 %
Krebsvorstufen (UICC Stadium 0)5551,3 % 
Mastdarm-Dickdarmkrebs221 0,5 %


Vorarlberger Vorsorge-Koloskopie-Programm 2/2007-3/2019
Stadium der Erkrankung:


Bei Vorliegen einer Darmkrebserkrankung wird diese je nach Tumorgröße und Befall von Lymphknoten oder auch Metastasen in verschiedene Tumorstadien, sog. UICC-Stadien, eingeteilt.

UICC-Stadium I und II sind frühe Stadien ohne erforderliche Nachbehandlung.

UICC-Stadium III ist ein mittleres Stadium mit erforderlicher, zeitlich befristeter Chemotherapie.

UICC-Stadium IV ist ein fortgeschrittenes Stadium.


Bösartige Polypen776 = 1,8 %
pTis R0-UICC Stadium 0 = Krebsvorstufe555(1,3 %)
Mastdarm-Dickdarmkrebs I-IV221(0,5 %)
UICC Stadium I101(45,9 %)
UICC Stadium II57(25,6 %)
UICC Stadium III47(21,3 %)
UICC Stadium IV16(7,2 %)


Darmkrebsstatium

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Die Vorsorge-Darmspiegelung erfolgt ausschließlich durch Spezialisten

Die Darmspiegelung ist nicht ganz ohne Risiko, daher muss diese Untersuchung nach international gültigen Qualitätsstandards durchgeführt werden. Diese fachlichen und apparativen Qualitätskriterien sind in Vorarlberg vertraglich garantiert.

Das Land Vorarlberg unterstützt durch einen Qualitätssicherungsbeitrag diese garantierte Qualität.
Das Ergebnis dieser Qualitätssicherung ist eine außerordentlich niedrige Komplikationsrate und sie trägt auch zur Kostenreduktion im Gesundheitswesen bei.


Fachärzte für Innere Medizin in Vorarlberg, die Vorsorge-Koloskopien durchführen:

  • Dr. Christern Hans-Albrecht, Gerbe 1144, Egg
  • Dr. Dertinger Stephan, Am Postplatz 2, Bludenz
  • Dr. Diem Gerhard, Bahnhofstraße 39, Bregenz
  • Dr. Flatz Thomas, Sägenplatz 1, Hard
  • Dr. Frey Walter, Kirchstrasse 17, Hard
  • Dr. Kopf Alexander, Am Kehlerpark 2, Dornbirn
  • Dr. Michael Malin, Schillerstraße 13, Dornbirn
  • Dr. Mayr Burkhard, Waldfriedgasse 2, Feldkirch
  • Dr. Reichsöllner Franz, Montfortstraße 17, Götzis
  • Priv.-Doz. Dr. Rein Philipp, Riedgasse 2, Dornbirn
  • niv.-Doz. Dr. Sagmeister Markus, Kornmarktstraße 2, Bregenz
  • Dr. Scheier Michael, Kaiser-Franz-Josefstr. 4, Lustenau
  • Dr. Stark Harald, Bahnhofplatz 1a, Bludenz
  • Dr. Sturn Daniel, Bahnhofstraße 16, Rankweil
  • Dr. Werle Andreas, Austraße 30, Sulz
  • Dr. Wilhelm Oliver, Am Garnmarkt 3, Götzis
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Statement von VGKK-Obmann Manfred Brunner

Die Darmkrebsvorsorge ist für uns als Krankenversicherung von besonderer Bedeutung, weil mit der regelmäßigen Inanspruchnahme dieser Vorsorgemaßnahme tatsächlich eine Erkrankung verhindert werden kann. Dazu kommt, dass eine Früherkennung des Krebses in einem Vor- oder Frühstadium eine nahezu 100prozentige Heilungswahrscheinlichkeit aufweist“, bringt es VGKK-Obmann Manfred Brunner auf den Punkt. „Das erspart Betroffenen einen mitunter langen Leidensweg und wir bestreiten nicht, dass Verhinderung bzw. Früherkennung von Darmkrebs angesichts hoher Behandlungskosten im Falle einer Erkrankung finanziell ein Vorteil für die soziale Krankenversicherung ist.“


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Statement von Ärztekammerpräsident Dr. Michael Jonas

„Rauchen, ungesunde Ernährung und chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind die wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs.

Nach Jahren der Beschwerdefreiheit steigt das Risiko ab dem 50sten Lebensjahr an Darmkrebs zu erkranken stetig an. Dickdarmkrebs unterscheidet sich von allen anderen Krebserkrankungen in einem ganz wesentlichen Punkt: In mehr als 90 % aller Fälle sind vor der Entstehung des Karzinoms viele Jahre hindurch Vorstufen in Form von Darmpolypen nachweisbar.

iel des Vorsorge- oder Früherkennungsprogrammes ist es den verdächtigen Polyp oder den Dickdarmkrebs im Frühstadium zu entfernen und so eine dauerhafte Heilung zu erreichen.

Neben den statistischen Zahlen, die sich seit der Einführung dieses Vorsorgeprogrammes deutlich gebessert haben, konnte durch diese einfache Untersuchung viel menschliches Leid verhindert werden.“