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Qualitätskriterien


Die vorliegenden Kriterien orientieren sich an der von der Sozialversicherung entwickelten Public Health Charta  und an den Qualitätskriterien zur Planung und Bewertung von Projekten der Gesundheitsförderung des Fonds Gesundes Österreich (FGÖ):

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Umfassender Gesundheitsbegriff

Ein umfassender Gesundheitsbegriff geht weit über die Abwesenheit von Krankheit hinaus. Ressourcen sollen soweit gestärkt bzw. Belastungen minimiert werden, dass bestehende individuelle und soziale Herausforderungen bewältigt werden können. Die Förderung der Gesundheit soll auch bei Vorliegen einer Krankheit angestrebt werden. Der Gesundheitsbegriff umfasst das psychische, das körperliche und das soziale Wohlbefinden.

   

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Bevölkerungsperspektive und Zielgruppen

Die Planungen beziehen sich auf die gesamte Bevölkerung bzw. auf Bevölkerungsgruppen, nicht nur auf das Individuum.

Die Zielgruppen der Gesundheitsförderungsprojekte und Maßnahmen sind klar eingegrenzt und die Inhalte sowie die Methodik der Interventionen werden speziell auf die Zielgruppen abgestimmt. Sozioökonomische Charakteristika wie Bildung, Einkommen, berufliche Position etc., werden ebenso berücksichtigt wie Gender, Alter, Familienstand, spezifische Lebenszyklusphasen sowie spezifische Interessen.

Wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit der Zielgruppenorientierung ist die Sicherstellung der Erreichbarkeit und des Zugangs aller relevanten Gruppen zu einer Maßnahme.

   

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Setting- und Determinantenorientierung

Gesundheitsdeterminanten.jpg







Quelle: GÖG/FGÖ, nach Dahlgren und Whitehead 1991


Gesundheitsdeterminanten, wie das Gesundheitsverhalten, soziale und kommunale Netzwerke sowie Lebens- und Arbeitsbedingungen, sind entscheidend für die Entstehung und den Erhalt von Gesundheit. Es werden folgende Gesundheitsdeterminanten unterschieden:

  1. Faktoren individueller Lebensweisen (z.B. Ernährung, Bewegung, Rauchen)
  2. Soziale und kommunale Netzwerke (z.B. Beziehungen, Familie)
  3. Lebens- und Arbeitsbedingungen (z.B. Setting Schule, Setting Betrieb, Krankenversorgung, Kultur, Bildung)
  4. Allgemeine Bedingungen der sozioökonomischen, kulturellen und physischen Umwelt (z.B. Umwelt, Gesetze, Finanzen, Medien)

Welche der oben genannten Gesundheitsdeterminanten im Projekt berücksichtigt werden, wird in der Frage- und Problemstellung des Gesundheits-förderungsprojektes beschrieben. Die Ziele des Projektes sind auf die Veränderung einer oder mehrerer Determinanten ausgerichtet.

Für die Settingorientierung eines Projektes sind folgende Fragen zu beantworten:

  • Werden gesundheitlich benachteiligte Menschen erreicht?
  • Wird die definierte Zielgruppe erreicht?
  • Ist das Setting klar definiert und beschrieben?

   

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Gesundheitliche Chancen- und Gendergerechtigkeit

Damit Angebote chancen- und gendergerecht konzipiert werden können, muss zielgruppenspezifisch geplant werden, das heißt, dass Lebensalter, Gender, soziale Herkunft, sozialer Status, Bildung, Einkommen, Wohnregion und ethnische Zugehörigkeit der verschiedenen Zielgruppen berücksichtigt werden. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass die Maßnahmen einen Beitrag zur Reduktion gesundheitlicher Ungleichheiten leisten und für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen leicht zugänglich sind.

   

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Health in All Policies

Gesundheit muss in allen Bereichen der Politik, nicht ausschließlich im Gesundheitsressort, mitgedacht werden und bedarf daher einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Politiksektoren, wie z.B. Bildung, Umwelt, Wirtschaft, Soziales, Verkehr.

   

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Empowerment und Partizipation

Menschen sollen dazu befähigt werden, ihre Gesundheit in die Hand zu nehmen, sich aktiv am Gesundheitsgeschehen zu beteiligen und an der Planung und Durchführung von Gesundheitsmaßnahmen mitzuwirken. Auf welche Art und Weise die Zielgruppen und weitere Anspruchsgruppen (Stakeholder) in den diversen Projektphasen und Settings beteiligt werden, ist im Konzept des Gesundheitsförderungsprojektes darzustellen.

Ziel eines Gesundheitsförderungsprojektes ist es, die sozialen und persönlichen Ressourcen zu stärken, indem die Aktivitäten und Methoden des Projektes auf die Stärkung von diesen Ressourcen ausgerichtet sind.

   

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Nachhaltigkeit

Für eine bessere Nachhaltigkeit sind im Projektkonzept vorgesehen,

  • dass die Aktivitäten, Strukturveränderungen und Wirkungen auch nach dem Projektende fortbestehen
  • dass es konkrete Überlegungen gibt, wie andere Zielgruppen oder Settings die Aktivitäten dauerhaft übernehmen können (Transferierbarkeit)
  • dass Überlegungen angestellt sind, wie die Weiterfinanzierung der Projektaktivitäten nach Projektende sichergestellt werden kann

   

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Evidenzbasierung

Projekte bzw. Programme werden auf Grundlage bereits vorhandener, wissenschaftlicher Erkenntnisse umgesetzt (z.B. Methoden der evidenzbasierten Medizin – EbM, Health Technology Assessment – HTA). Liegt keine „harte“ Evidenz vor, werden Projekte bzw. Programme anhand von theoretischen Modellen oder Pilotprojekten umgesetzt, die evaluiert, qualitätsgesichert und übertragbar sind.

   

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Dokumentation und Evaluation

Für die Dokumentation eines gesundheitsförderlichen Projektes sind folgende Punkte einzuhalten:

  • Dokumentationskonzept, das festlegt, was von wem auf welche Weise dokumentiert wird
  • Überprüfung der Zielerreichung
  • Erfahrungswert
  • Für die Evaluation eines Projektes ist ebenfalls ein Evaluationskonzept vorzulegen, das folgende Punkte beinhaltet:
    • Prozessevaluation (Beurteilung der Projektprozesse und –umsetzung)
    • Ergebnisevaluation (Projektergebnisse und –wirkungen sowie Zielerreichung)
    • Zielgruppenerreichung (fortlaufende Evaluierung und gegebenenfalls Anpassungen)

 

   

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Qualitätsmanagement - Public Health Action Cycle

Grafik_Public_Health_Action_Cycle.jpg






Quelle: Bencic / Soffried, 2013


Die Gesundheitsförderungsprojekte müssen durch ein Qualitätsmanagement bzw. eine Qualitätsentwicklung im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (Public Health Action Cycle) begleitet werden.

Mit Hilfe des Public Health Action Cycle soll eine strukturierte Vorgehensweise für Gesundheitsförderungsprojekte garantiert werden. Zu Beginn eines jeden Gesundheitsförderungsprojektes steht die Problemdefinition. Mit Hilfe von Ziel- und Strategieformulierungen werden Maßnahmen geplant und umgesetzt. Am Ende des Public Health Action Cycle steht die Evaluierung, die Überprüfung der gesetzten Maßnahmen. Die vier Phasen des Publich Health Action Cycle umfassen:

  1. Problemdefinition: Objektive auf Daten basierende Bedarfsanalyse - IST-Analyse
  2. Ziele- und Strategieformulierung: Festlegung von Zielen und Strategien, Kooperationsvereinbarungen mit Partnern/Institutionen, Partizipation der Zielgruppen
  3. Umsetzung: Umsetzung der geplanten Maßnahmen
  4. Evaluation: Evaluation der Ergebnisse anhand der festgelegten Ziele, Weiterentwicklung auf Grund der Evaluationsergebnisse

   

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Konzeptionspartner

Wird die Fördersumme von 30.000 Euro bei einem Gesundheitsförderungsprojekt oder einer Maßnahme überstiegen, so muss dem Fördergeber die Gelegenheit geboten werden ein Mitglied der Gesundheitsförderungskommission in das Projektteam bzw. in die Steuerungsgruppe zu entsenden, um bei der Projektkonzeption mitzuarbeiten.

   

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Projektträger

Als Projektträger kommen ausschließlich gemeinnützige, nicht gewinnorientierte Unternehmen bzw. Institutionen in Frage.